Plastikgeld.

Für zwei Eiskaffee in einem winzigen etwas provisorisch anmutenden Café zück ich normalerweise keine Kreditkarte, aber weil das Bargeld gerade für zwei Tuborg und Biopølser draufgegangen ist, pass ich mich den dänischen Gepflogenheiten an und mach das eben auch mal. Is total normal hier. In Kopenhagen. Sogar der Saftverkäufer an seinem mobilen Ministand hat ein Kartenlesegerät.

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Bunte Tüte im ländlichen Raum.

Benther Dorfladen

Mitten in Benthe am gleichnamigen Benther Berg gibt es einen kleinen Dorfladen. Den gibt es schon relativ lange und ich wollte immer mal reingehen. Irgendwie bin ich bisher jedes Mal mit dem Auto vorbeigefahren, hab es auf dem Parkplatz am Hotel Benther Berg abgestellt, den Hund aus dem Kofferraum geholt, bevor es den Hund gab bin ich einfach so losgelaufen. Den Benther Berg hoch und wieder runter, links herum, rechts herum, die schöne Aussicht auf Hannover genossen und danach bin ich dann wieder in mein Auto rein und ab nach Hause. Dieses Mal hatte ich mir fest vorgenommen, dort einzukehren und mal zu schauen, was der Laden so zu bieten hat. Weil der Hund dabei war und das Wetter super, hab ich mich vor die Tür gesetzt. Auf der Straße war richtig was los. Menschen trafen sich vorm Laden und unterhielten sich, Kinder kamen mit Einkaufsbeuteln und einer Einkaufsliste, drinnen im Laden, zu dem auch ein Bistro gehört, saßen Menschen und es war richtig Betrieb, der Laden also im Prinzip Zentrum und Treffpunkt des kleinen Ortes. Cappuccino und Kuchen waren liebevoll zubereitet und sehr lecker. Solche Läden sollte es einfach öfter geben. Es gibt Frühstück, Quiche oder Suppe als Mittagsangebot, der Laden ist gleichzeitig Café, Bioladen, Weinhandel, Bäcker und Post. Und Zeitungen und Zeitschriften gibt es auch. Jeder kleine Ort sollte solch einen Laden zur Nahversorgung haben. Denn wenn man es mal genau nimmt, bevor man sich in sein Auto setzt und zum nächsten Supermarkt eiert, der sicherlich einige Kilometer entfernt ist, weil Eier, Milch und Käse ausgegangen sind, kann man bei den aktuellen Benzinpreisen auch mal eben zu Fuß oder mit dem Rad im Dorfladen einkaufen. Man hat sich die Fahrerei gespart und vielleicht noch ein nettes Gespräch mit lieben Nachbarn gehabt.

Benther Dorfladen. Am Steinweg 18. 30952 Ronnenberg OT Benthe.

Torte Dolores.

Kunst-Cafe

Die Kaffeetanten sind cafétreu. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, gehen sie immer wieder gerne in ihre Lieblingscafés. Natürlich muss man auch mal checken, ob da noch alles in Ordnung ist. Ob der Laden vielleicht mittlerweile einen anderen Betreiber hat, ob die Torte noch genauso gut schmeckt wie beim letzten Besuch oder ob es vielleicht mal neue Sorten gibt. Das Kunst-Café in Fleckeby an der Schlei ist bekanntermaßen einer der Kaffeetanten-Hotspots. Das Café gibts bald 30 Jahre. Wir besuchen es fast schon seit 25 Jahren. Und diesmal hatten wir sogar einen Kaffeetanten-Mann und die dazugehörigen Kaffeetanten-Kinder dabei, die den Altersdurchschnitt mal so richtig nach unten korrigiert haben. Wir Kaffeetanten selbst taugen dazu mittlerweile auch nicht mehr so richtig. Obwohl wir altersmäßig immer noch etwas unter dem Durchschnitt liegen, würd ich behaupten. Egal. Darum solls ja auch nicht gehen, sondern: Es gibt eine neue Torte, die es beim letzten Mal (vor zwei Jahren), als wir hier waren, noch nicht gab. Die Argentinische Torte Dolores. Dolores ist so eine Two-in-one-Torte. Sie besteht gefühlt aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen, die geschmacklich nicht so richtig zusammen zu passen scheinen. Der lockere Walnuss-Boden ist mit einer Karamellcreme gefüllt und das harmoniert extrem gut. Die Karamellcreme ist sowieso der Knaller, weil die Karamellteilchen darin ein bisschen crunchig zwischen den Zähnen knirschen. Herrlich. Oben drauf ist aber noch eine an sich sehr leckere Erdbeer-Haube, die ich erstmal mit dem unteren Teil der Torte geschmacklich nicht so richtig in Einklang bringen konnte. Walnuss-Karamell ist ja irgendwie eher ein Herbst-Winter-Geschmack, während Erdbeere so eine Frühling-Sommer-Komponente ist. Das finde ich jetzt nicht so richtig schlüssig. Deshalb bin ich wie gesagt etwas zwiegespalten, was die Argentinische Torte Dolores angeht. Nichtsdestotrotz ist sie schon sehr lecker. Und vielleicht ist es ja auch mal ganz gut, wenn man so ein Stück Torte nicht einfach zügig runterschlingt, weil’s einfach so gut schmeckt. (Lecker, Schwarzwälder Kirsch. Alles klar. Schwupps, weg is sie.) Sondern beim Genuss mal innehält und sich zwei bis drei Gedanken macht. Ich glaub, ich werd die Dolores einfach nächstes Mal wieder bestellen.

Kunst-Café Fleckeby. Auf der Höhe 10. 24357 Fleckeby.

Heideköniginnen gucken dich an.

HeideköniginnenMit den Jahren wird man ja so etwas partyfaul und deshalb kann man zum Geburtstag einer Kaffeetante auch schon mal gut einen schönen Ausflug machen. Kein Rock’n’roll, dafür totale Entspannung mit Wildschweinfricka und hartgekochten Eiern. Da wir immer mal rauf wollten, ist jetzt endlich der Wilseder Berg dran. Okay, wenn man sonst eher alpin unterwegs ist, ist das natürlich zum Kringeln, wenn man beim Wilseder Berg von Berg spricht. Für uns Heidekartoffeln ist allerdings jede natürliche Erhebung, die dich über die Wipfel der umliegenden Misch- und Nadelwälder gucken lässt auf jeden Fall ein Berg. Heide

(Empfehlen kann ich übrigens an dieser Stelle auch die Besteigung des Haußelberges. Da kann man auch ganz gut runtergucken und die Weite der Heide genießen. Das wusste schon Herr Gauß zu schätzen und hat übrigens – Gedenksteine zeugen davon – beide Berge zum Vermessen bestiegen.) Angeblich soll man vom Wilseder Berg bei richtig klarer Sicht ja sogar bis nach Hamburg gucken können, was allerdings an diesem Tag nicht so ganz klappt. Zwar scheint sogar die Sonne, obwohl eigentlich Regen angesagt war, die Sicht ist aber nur so mittelgut. Trotzdem wird unser Bedürfnis nach Weite befriedigt. Um diese Jahreszeit verbreitet die Heide natürlich noch nicht ihre typisch violette Pracht. Das ist aber durchaus von Vorteil, denn es werden noch nicht busseweise Menschen hier ausgekippt und man ist deshalb fast alleine, was die Kargheit der Landschaft noch besser hervorhebt.

CafeamDorfteichUnd die Kaffeetanten wären nicht die Kaffeetanten, wenn sie mit einem solchen Ausflug nicht auch noch einen Cafébesuch verbinden würden. So geht es also im Auto ins Café am Dorfteich ins ca. 25 Kilometer entfernte Schneverdingen. Hier hängen Portraits sämtlicher Heideköniginnen an der Wand. Stünde nicht die Jahreszahl unter den Bildern, gäbe ausschließlich der Vergilbungsgrad des Fotos Aufschluss über den Aufnahmezeitpunkt. Bekleidung und Frisuren der Mädels helfen da jedenfalls kaum weiter. Obwohl: Die Dauerwellen der 80er Jahre sind schon in ihrer Besonderheit nicht zu übersehen. Immer noch unfassbar. Dummerweise habe ich die Befürchtung, dass die demnächst wieder kommen. Die nabelfreien Sweatshirts in Neonfarben sind schließlich auch schon da. Ach ja, und bevor ich hier ganz vom Thema abkomme: Die Torten sind übrigens tippitoppi!

Café am Dorfteich. Am Dorfteich 1. 29640 Schneverdingen.

Ravintolapäivä unter der Brücke.

Heute ist Restaurant Day. Vielmehr war Restaurant Day, denn um diese Uhrzeit ist der Trubel eigentlich schon wieder vorbei. Die Idee zum Tag der Pop-up-Restaurants stammt ursprünglich aus Finnland. Dort waren wir vergangenen November bei einem Helsinki-Kurztrip durch Zufall reingeraten. Überall auf Straßen, Plätze, in Hauseingängen, Privatwohnungen, Vereinsheimen und sonstwo hatten Leute für ein paar Stunden ihr Minirestaurant aufgebaut. Man konnte durch Helsinki ziehen, was wir sowieso aus sightseeingtechnischen Gründen taten, und mit Hilfe der zugehörigen App sehen, wo das nächste Restaurant war und was es dort zu essen gab. Man konnte natürlich gar nicht so viel probieren, wie angeboten wurde. Und nicht überall waren die Köchinnen und Köche gleich talentiert und organisiert, trotzdem war’s einfach gut. Vor einem alten Schlepper (Foto) auf der Festungsinsel Suomenlinna wurde z.B. Chili con Carne mit einem ordentlichen Schlag Smetana und selbst gebackenem Brot mit Kräuterbutter serviert. Dazu heißer Glöggi (ohne Alkohol). Das war einfach köstlich an diesem goldenen aber kühlen Herbsttag.

Restaurantday

Weltweit gab es beim Restaurant Day im vergangenen November wohl an die 1400 Pop-up-Restaurants in 190 Städten und 31 Ländern. In Helsinki selbst sind es je nach Jahreszeit so um die 50 Restaurants allein im Stadtzentrum. Wir hier in Deutschland sind noch etwas zurückhaltend mit der Teilnahme. Keine Ahnung, ob das irgendwas mit unseren harten Bestimmungen zum Lebensmittelverkauf zu tun hat oder ob einfach zu Wenige von der Idee wissen. In diesem Jahr gibt’s jedenfalls auch endlich ein Pop-up-Lokal in Hannover. Äußerst erfolgreich, wie mir scheint, denn als wir um kurz nach vier unter der Benno-Ohnesorg-Brücke am Schwarzen Bären in Linden aufschlugen, war schon längst nix mehr zu wollen, obwohl es erst um zwei losgegangen war. „Nach ca. eineinhalb Stunden waren die 300 Portionen schon weg“, entschuldigte sich die Betreiberin, die einfach nicht mit dem riesigen Andrang gerechnet hatte. Sie selbst hatte vom Restaurant Day auch erst vor vier Tagen erfahren und sich spontan überlegt mitzumachen. Hut ab jedenfalls für die gastronomische und logistische Leistung. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung unterstützte das Vorhaben mit einer kleinen Berichterstattung. Da war es dann auch fast kein Wunder, dass so viele Leute kamen. Der nächste Restaurant Day kommt aber bestimmt, denn er wird immerhin vier Mal im Jahr begangen: Am 15. November ist die nächste Chance, für einen Tag das eigene Restaurant zu eröffnen. Und wer sich jetzt wundert, warum ich hier so’n PR-Text abliefere: Ich find die Idee einfach supermegaknallercoolgrandiosoberklasse. Merkt man, oder?

Soulmade I scream.

Wenn es hier um den Preis für den beklopptesten Namen für eine Eisdiele ever ginge, dann wäre die Eisdiele in der Fleischhauerstraße in Lübeck mit Abstand Sieger. Aber darum geht es nicht. Denn letzten Endes ist für eine Eisdiele der Name echt nicht entscheidend, sondern lediglich das Eis. Und da in meinem persönlichen Ranking ja die oberen beiden Plätze bereits belegt sind, Platz 1 Is fra Skarø und Platz 2 Frioli in Hannover, ist nun die Frage, was ich mit dem Soulmade I scream in Lübeck mache. Wahrscheinlich muss ich da jetzt eine Testreihe starten, um festzustellen, ob es das Frioli nicht vielleicht doch von Platz zwei verdrängen kann. Als allererstes hab ich jedenfalls das Karamelleis mit dem Meersalz drin probiert. Denn das gibt es im Frioli auch. Ich konnte allerdings auf Anhieb nicht sagen, welches von beiden jetzt geiler schmeckt. Deshalb hab ich gestern dann im Frioli Mascarpone-Erdbeere und Birne probiert. Vorher hab ich dafür tatsächlich bestimmt ne Viertelstunde angestanden, denn die sind beim Eiskugelnrollen wirklich sehr langsam. Aber ich glaub, das Eis ist einfach auch härter als anderswo. Einer der Eiskugelroller verließ jedenfalls mit bandagiertem Handgelenk den Laden, während ich wartete. Im Moment ist das Frioli bei mir noch leicht vorne. Was aber an der anderen Eisdiele noch so richtig cool ist: Der Laden ist sehr klein und drinnen steht wirklich nur ein Eistresen. Schlangestehen muss man da übrigens auch. Aber gut Ding will ja bekanntlich Weile haben. Und man muss auch mal warten können. Lohnt sich in jedem Fall.

Soulmade I scream. Fleischhauerstraße 61. 23552 Lübeck.