Café als Ehrenamt.

Schön ist’s übrigens auch auf der Terrasse des Café f in Hannover. Die Stadt ist irgendwie ausgesperrt. Man hört sie eher als dass man sie sieht und sitzt gefühlt in den Baumkronen mit Blick auf den Turm der Marktkirche. Statt sich ins Kettencafé auf dem Platz der Weltausstellung zu pflanzen also vielleicht einfach mal bei der Üstra rein und hoch in den zweiten Stock ins Freiwilligenzentrum Hannover, denn dazu gehört das Café f. Das Team arbeitet hier rein ehrenamtlich und die Einnahmen kommen deshalb allesamt der Ehrenamtsarbeit zugute. Mittagstisch gibt’s auch: z.B. jeden Donnerstag Currywurst.

Café f. Im Üstra-Kundenzentrum. Platz der Weltausstellung. Karmarschstraße 30-32. 30159 Hannover.

Werbeanzeigen

Steuerbord querab: Café Sorgenfrei.

Das Café Sorgenfrei auf Fehmarn ist ein unfassbares Schmuckstück, das sich da am hintersten Zipfel der Südstrandpromenade noch hinter der ganzen 70er-Jahre-Betonhölle des Ostsee-Heilbads Burgtiefe verbirgt.

Apropos Betonhölle: Dass der Entwurf für Burgtiefe Ende der 60er Jahre vom dänischen Architekten Arne Jacobsen gemacht worden sein soll, ist kaum zu glauben, wenn man den bisher nur durch seine Stühle der Serie 7 oder den Egg Chair auf dem Schirm hatte. Aber Ende der 60er, Anfang der 70er tendierte man nun mal zum Brutalismus und so hat auch Burgtiefe sein Ostseebad-Päckchen zu tragen, genauso wie Damp 2000, Heiligenhafen, Wentorf und Schilksee. Um ein bisschen versöhnlich zu sein ob der wuchtigen Architektur: Sie ist nicht mehr ganz so hässlich wie noch vor 20 Jahren, denn so langsam erkennt man trotz der brutalen Größe eine gewisse Leichtigkeit, wie sie dort zwischen blauem Himmel und Meer, pinken Strandrosen und weißem Sand in Würde altert, so man sie denn lässt.

Das Café Sorgenfrei hat damit erstmal gar nichts zu tun, außer, dass man diese Architektur passieren muss, um dort hin zu kommen. Das Café Sorgenfrei ist in einem alten Backsteingebäude untergebracht – ich vermute mal Lotsenhaus vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Fenster sind groß. Der Raum ist licht und bunt und loftig. So schön, dass ich am liebsten gleich einziehen würde. In seiner ganzen Schönheit nimmt man diesen Ort aber eigentlich am besten wahr, wenn man mit einem Schiff bei strahlendem Sonnenschein den Burger Binnensee anläuft. Dann liegt er an Steuerbord.

Über die Qualität der Speisen und Getränke kann ich gar nicht so viel sagen. Es ist Selbstbedienung. Ich hatte einen Erdbeershake mit frischen Erdbeeren und Erdbeereis. Lecker. Der Preis vielleicht etwas üppig, aber dafür war der Shake das auch. Die könnten mir hier den schlechtesten Kaffee ever verkaufen und Kuchen von gestern, die Lage ist so grandios, da könnt ich mich einfach an einem Mineralwasser festhalten, nur dumm aufs Wasser gucken und trotzdem glücklich sein.

Café Sorgenfrei. Südstrandpromenade 1. 23769 Burgtiefe. Fehmarn.

Bunte Tüte im ländlichen Raum.

Benther Dorfladen

Mitten in Benthe am gleichnamigen Benther Berg gibt es einen kleinen Dorfladen. Den gibt es schon relativ lange und ich wollte immer mal reingehen. Irgendwie bin ich bisher jedes Mal mit dem Auto vorbeigefahren, hab es auf dem Parkplatz am Hotel Benther Berg abgestellt, den Hund aus dem Kofferraum geholt, bevor es den Hund gab bin ich einfach so losgelaufen. Den Benther Berg hoch und wieder runter, links herum, rechts herum, die schöne Aussicht auf Hannover genossen und danach bin ich dann wieder in mein Auto rein und ab nach Hause. Dieses Mal hatte ich mir fest vorgenommen, dort einzukehren und mal zu schauen, was der Laden so zu bieten hat. Weil der Hund dabei war und das Wetter super, hab ich mich vor die Tür gesetzt. Auf der Straße war richtig was los. Menschen trafen sich vorm Laden und unterhielten sich, Kinder kamen mit Einkaufsbeuteln und einer Einkaufsliste, drinnen im Laden, zu dem auch ein Bistro gehört, saßen Menschen und es war richtig Betrieb, der Laden also im Prinzip Zentrum und Treffpunkt des kleinen Ortes. Cappuccino und Kuchen waren liebevoll zubereitet und sehr lecker. Solche Läden sollte es einfach öfter geben. Es gibt Frühstück, Quiche oder Suppe als Mittagsangebot, der Laden ist gleichzeitig Café, Bioladen, Weinhandel, Bäcker und Post. Und Zeitungen und Zeitschriften gibt es auch. Jeder kleine Ort sollte solch einen Laden zur Nahversorgung haben. Denn wenn man es mal genau nimmt, bevor man sich in sein Auto setzt und zum nächsten Supermarkt eiert, der sicherlich einige Kilometer entfernt ist, weil Eier, Milch und Käse ausgegangen sind, kann man bei den aktuellen Benzinpreisen auch mal eben zu Fuß oder mit dem Rad im Dorfladen einkaufen. Man hat sich die Fahrerei gespart und vielleicht noch ein nettes Gespräch mit lieben Nachbarn gehabt.

Benther Dorfladen. Am Steinweg 18. 30952 Ronnenberg OT Benthe.

Torte Dolores.

Kunst-Cafe

Die Kaffeetanten sind cafétreu. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, gehen sie immer wieder gerne in ihre Lieblingscafés. Natürlich muss man auch mal checken, ob da noch alles in Ordnung ist. Ob der Laden vielleicht mittlerweile einen anderen Betreiber hat, ob die Torte noch genauso gut schmeckt wie beim letzten Besuch oder ob es vielleicht mal neue Sorten gibt. Das Kunst-Café in Fleckeby an der Schlei ist bekanntermaßen einer der Kaffeetanten-Hotspots. Das Café gibts bald 30 Jahre. Wir besuchen es fast schon seit 25 Jahren. Und diesmal hatten wir sogar einen Kaffeetanten-Mann und die dazugehörigen Kaffeetanten-Kinder dabei, die den Altersdurchschnitt mal so richtig nach unten korrigiert haben. Wir Kaffeetanten selbst taugen dazu mittlerweile auch nicht mehr so richtig. Obwohl wir altersmäßig immer noch etwas unter dem Durchschnitt liegen, würd ich behaupten. Egal. Darum solls ja auch nicht gehen, sondern: Es gibt eine neue Torte, die es beim letzten Mal (vor zwei Jahren), als wir hier waren, noch nicht gab. Die Argentinische Torte Dolores. Dolores ist so eine Two-in-one-Torte. Sie besteht gefühlt aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen, die geschmacklich nicht so richtig zusammen zu passen scheinen. Der lockere Walnuss-Boden ist mit einer Karamellcreme gefüllt und das harmoniert extrem gut. Die Karamellcreme ist sowieso der Knaller, weil die Karamellteilchen darin ein bisschen crunchig zwischen den Zähnen knirschen. Herrlich. Oben drauf ist aber noch eine an sich sehr leckere Erdbeer-Haube, die ich erstmal mit dem unteren Teil der Torte geschmacklich nicht so richtig in Einklang bringen konnte. Walnuss-Karamell ist ja irgendwie eher ein Herbst-Winter-Geschmack, während Erdbeere so eine Frühling-Sommer-Komponente ist. Das finde ich jetzt nicht so richtig schlüssig. Deshalb bin ich wie gesagt etwas zwiegespalten, was die Argentinische Torte Dolores angeht. Nichtsdestotrotz ist sie schon sehr lecker. Und vielleicht ist es ja auch mal ganz gut, wenn man so ein Stück Torte nicht einfach zügig runterschlingt, weil’s einfach so gut schmeckt. (Lecker, Schwarzwälder Kirsch. Alles klar. Schwupps, weg is sie.) Sondern beim Genuss mal innehält und sich zwei bis drei Gedanken macht. Ich glaub, ich werd die Dolores einfach nächstes Mal wieder bestellen.

Kunst-Café Fleckeby. Auf der Höhe 10. 24357 Fleckeby.

Heideköniginnen gucken dich an.

HeideköniginnenMit den Jahren wird man ja so etwas partyfaul und deshalb kann man zum Geburtstag einer Kaffeetante auch schon mal gut einen schönen Ausflug machen. Kein Rock’n’roll, dafür totale Entspannung mit Wildschweinfricka und hartgekochten Eiern. Da wir immer mal rauf wollten, ist jetzt endlich der Wilseder Berg dran. Okay, wenn man sonst eher alpin unterwegs ist, ist das natürlich zum Kringeln, wenn man beim Wilseder Berg von Berg spricht. Für uns Heidekartoffeln ist allerdings jede natürliche Erhebung, die dich über die Wipfel der umliegenden Misch- und Nadelwälder gucken lässt auf jeden Fall ein Berg. Heide

(Empfehlen kann ich übrigens an dieser Stelle auch die Besteigung des Haußelberges. Da kann man auch ganz gut runtergucken und die Weite der Heide genießen. Das wusste schon Herr Gauß zu schätzen und hat übrigens – Gedenksteine zeugen davon – beide Berge zum Vermessen bestiegen.) Angeblich soll man vom Wilseder Berg bei richtig klarer Sicht ja sogar bis nach Hamburg gucken können, was allerdings an diesem Tag nicht so ganz klappt. Zwar scheint sogar die Sonne, obwohl eigentlich Regen angesagt war, die Sicht ist aber nur so mittelgut. Trotzdem wird unser Bedürfnis nach Weite befriedigt. Um diese Jahreszeit verbreitet die Heide natürlich noch nicht ihre typisch violette Pracht. Das ist aber durchaus von Vorteil, denn es werden noch nicht busseweise Menschen hier ausgekippt und man ist deshalb fast alleine, was die Kargheit der Landschaft noch besser hervorhebt.

CafeamDorfteichUnd die Kaffeetanten wären nicht die Kaffeetanten, wenn sie mit einem solchen Ausflug nicht auch noch einen Cafébesuch verbinden würden. So geht es also im Auto ins Café am Dorfteich ins ca. 25 Kilometer entfernte Schneverdingen. Hier hängen Portraits sämtlicher Heideköniginnen an der Wand. Stünde nicht die Jahreszahl unter den Bildern, gäbe ausschließlich der Vergilbungsgrad des Fotos Aufschluss über den Aufnahmezeitpunkt. Bekleidung und Frisuren der Mädels helfen da jedenfalls kaum weiter. Obwohl: Die Dauerwellen der 80er Jahre sind schon in ihrer Besonderheit nicht zu übersehen. Immer noch unfassbar. Dummerweise habe ich die Befürchtung, dass die demnächst wieder kommen. Die nabelfreien Sweatshirts in Neonfarben sind schließlich auch schon da. Ach ja, und bevor ich hier ganz vom Thema abkomme: Die Torten sind übrigens tippitoppi!

Café am Dorfteich. Am Dorfteich 1. 29640 Schneverdingen.