Für Kaffeetantennachwuchs.

Kürzlich waren die Kaffeetanten mal wieder gemeinsam im Café. Selten selten kommt es vor. Mit einem Teil des Kaffeetantennachwuchses. Und zwar mit genau jenem Teil, der beim vorletzten Cafébesuch im Samocca in Walsrode den Tisch mit einem hauseigenen Steckpuzzle abräumte, so dass es Rühreiteller auf den Hund regnete, der sogleich versuchte, zwischen den Scherben die restlichen Rühreikrümel zu ergattern. Das Personal reagierte extrem souverän und war just mit Handfeger und Kehrblech zur Stelle.

Diesmal gings allerdings in ein kleinkindgerechtes Café, wie sie jetzt allerorten aus dem Boden schießen. Keine Hunde, Tische größer, Breichen aus Plastikschüsseln und überall laufen Stöpsel rum, die des Rumlaufens noch nicht so richtig mächtig sind – innerhalb wie außerhalb der umzäunten Krabbel-, Spiel- und Kuschelecke. Das Essen schmeckt, die Rhabarber-Schorle auch und über den Vanillequark gibt’s leckere karamelisierte Nüsse. Dazu Latte Macchiato. Passt.

Ein besonderer Pluspunkt: Rampe am Eingang zum entspannten Kinderwagen reinschieben, und die Tür stellt sich automatisch fest, so dass man nicht artistisch mit Tür und Kinderwagen jonglieren muss, wenn man ohne Begleitung kommt.

Männer hab ich keine gesehen. Außer den Koch.

Das Rockzipfel. In der Steinriede 9. 30161 Hannover

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Chappi oder Cappucino?

Gestern machte ich mit meinem Besuch und dem Hund einen längeren Spaziergang durch die Herrenhäuser Gärten und die Nordstadt. Vögel zwitschern, Bratwurst duftet. Auf dem Rückweg kommen wir durch die Lilienstraße und an einem Laden vorbei, der beim bloßen Vorübergehen einige Fragen aufwirft. Im linken Schaufenster Tierfutter und Tier-Zubehör, im rechten Schaufenster Café-Tresen mit Menschen, die Espresso schlürfen. Hunde bellen. Und zu allem Überfluss heißt der Laden auch noch Djangos Paradise. Das scheint alles irgendwie nicht zusammenzupassen. Aber weit gefehlt. Ein Blick ins Internet, nämlich hierher, erhellt den Sachverhalt. Logisch eigentlich! Nächstes Mal geh ich rein.

Nachtrag: Dieser Laden ist leider mittlerweile ein gewesener.

Cappu-Tina

Ein Ritual ist es bei uns, am Freitagmorgen in die italienische Stehfresse um die Ecke zu gehen, bei Wirtin Tina Parmaschinken-Brötchen/-Ciabatta mit Provolone zu bestellen und dazu Cappucino zu trinken. Wir würden bei der Bestellung jetzt nicht unsere sehr mageren Italienischkenntnisse über Gebühr raushängen lassen, bei Benutzung oder Anhörung des Wortes Cappu, krieg ich allerdings Amarettini-große Pickel. Und „Mach ma zwei Cappu, Tina“ würde mir deshalb nie über die Lippen kommen. Da bestell ich noch eher zwei Ladde. Trotzdem gehen wir da gerne und oft hin. Seit es das Rauchverbot gibt noch viel lieber. Da wird man nicht schon zum Frühstück zugequalmt, und der Cappu schmeckt nochmal so gut… Ups.

Piacere. Otto-Brenner-Straße. 30159 Hannover

Schwedische Wochen im Café Glocksee

Da gibt es keine Köttbullar, kein Jansons Frestelse und keine Zimtschnecken. Sondern vorletzten Samstag Christian Kjellvander und Logh. Und eben gerade Nervous Nellie und Shout Out Louds. Ist ja immer ein bisschen schwierig, wenn die Vorgruppe besser ist als der Hauptact. Kjellvander ließ den halb so großen Sänger von Logh stimmlich ziemlich alt aussehen. Das war ein bisschen wie Schul AG Rockmusik auf Tour. Kjellvander der Lehrer und die Lümmels von Logh konnten sich nicht einigen, wer denn jetzt das Schlagzeug spielt, und da wurden dann kurzerhand einfach zwei auf die Bühne gestellt. Das rockte irgendwie ein bisschen, dann aber doch nicht so richtig. Auf CD sind sie aufregender. Hüne Kjellvander war der absolute Wahnsinn. Der rockt zwar nicht, aber er rührt und das umso mehr – wenn er nur beim Singen das Gesicht nicht so schräg verziehen würde. Schnuppe, einfach ab und zu die Augen zu machen oder auf die Gitarre gucken oder auf die mitgebrachte Sängerin/Mandolinistin/Keyboarderin, deren Look schon sehr – ich würde es mal ‚interessant‘ nennen – war.
Nervous Nellie und Shout Out Louds ließen eben gerade das Café Glocksee kochen. Hab dort selten so eine Stimmung erlebt. Ausgesprochen uplifting eröffneten die zugewachsenen Puschelbärchen von Nervous Nellie den Abend. Fröhliche Surfer-Dude-Musik von der Westküste, die sofort zum Hüpfen und Hampeln anregt. Sensationell. Shout Out Louds blieben dahinter fast ein bisschen zurück, aber auch nur fast. Robert Smith hatte sich als Tobey Maguire verkleidet, was ihm auch ganz gut gelungen ist. Aber seine Stimme konnte nicht darüber hinwegtäuschen, mit wem man es tatsächlich zu tun hatte. Egal. ’s war geil. Genug geschwafelt. Gute Nacht.

Es wird viel geschüttelt

220 Kilometer Anreise haben sich gelohnt: Die Aeronauten sind zu Gast im Cafè Glocksee und bieten mal wieder alles auf. Auch wenn so mancher Maschinenbaustudent des Ska-Tanzens nicht wirklich mächtig ist und die Ellenbogen jenseits des Rhythmus um Haaresbreite mehrere Nasen verfehlen. Trotzdem alles heil geblieben. Die Spezialität dieses Cafés: Herri in Flaschen.

Café Caramel

Drei Jahre habe ich fast direkt daneben gewohnt und habe es doch nicht wahrgenommen, bzw. nur auf dem Weg ins Wahllokal, was, soweit ich mich erinnere, maximal dreimal gewesen sein kann: Kommunalwahl 2001, Bundestagswahl 2002 und Landtagswahl 2003. Vielleicht auch weniger, weil ich oft Briefwahl mache. Und einmal haben wir eine nadelnde Weihnachtsbaum-Leiche in eine Decke gehüllt zum Alt-Weihnachtsbaum-Sammelplatz gleich beim Caramel um die Ecke gebracht. Gedacht hab ich beim Vorbeigehen immer: „Sieht nett aus, musst du mal hingehen.“ Und hab es trotzdem nicht gemacht. Mit meiner Stimme respektive dem Weihnachtsbaum hab ich quasi meine Erinnerung an das hübsche Eckhaus abgegeben, welches (neben den brennenden Ölfässern) ein bisschen Wärme nach Linden-Süd zu bringen scheint. Auf dem Rückweg hab ich meistens einen anderen Weg genommen. Letztes Wochenende hab ich das Café nun endlich ausprobiert. Völlig anderer Stadtteil mittlerweile, aber man hat ja so seine Kontakte. Die Musik war etwas laut und in der Mischung durchaus gewöhnungsbedürftigt, das Mobiliar abgewetzt aber gemütlich, und der italienische Schokoladenkuchen mit Pinienkernen zum Gleich-noch-ein-Stück-Bestellen spielt sozusagen um den Aufstieg in die Philadelphia-Torte-galore-Liga.

Café Caramel. Ricklinger Straße 120. 30449 Hannover. 0511.449 83 31. Montag bis Freitag 9.30 bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag 10 bis 19 Uhr.

Bier und Kuchen

Wenn an einem sonnigen Sonntag Nachmittag in einem Café/Restaurant am belebtesten Spazierweg der ganzen Stadt die Kaffeemaschine ausfällt und die Mannschaft nicht mehr in der Lage ist, irgendein Heißgetränk herzustellen, kann man das getrost als Desaster bezeichnen. Fehlen beim Blick aus dem Fenster nur noch infizierte Wasservögel. Aber die Enten scheinen sich bisher bester Gesundheit zu erfreuen (toitoitoi) und die Schwäne wurden von der Stadt mal wieder in weiser Voraussicht weggesperrt, damit sie mit ihren riesigen Watschelfüßen nicht im Eis festfrieren. Weil Kaffeetanten sich von fast gar nichts abschrecken lassen, genießen sie ihre Erdbeer- bzw. Himbeerschnitte statt mit bewährter Latte Macchiato mit einem Alster. Schmeckt ein bisschen wie Altbierbowle und geht deshalb ausnahmsweise. Und irgendwann gibt es dann zumindest auch wieder heiße Schokolade, während die Sonne auf der anderen Seite des Maschsees dem Horizont entgegensinkt und ihr warmes Licht in den gläsernen Bau schüttet.

Pier 51. Rudolf-von-Benningsen-Ufer 51. 30173 Hannover. 0511.807 17 00. Geöffnet täglich ab 11 Uhr.