Das erste Haus am Platze.

Eher durch Zufall landeten wir kürzlich im Torvecafeen in Svendborg. Wir waren gerade eine ganze Weile über den wirklich guten Kunsthandwerkermarkt gelaufen, auf dem wir einiges an Geld hätten ausgeben können, wenn wir es denn gehabt hätten, als wir uns plötzlich nur noch hinsetzen wollten. Und Hunger hatten wir auch. Es war Samstagmittag und das Café neben dem Kunsthandwerkermarkt bollevoll. Was Samstagmittag bollevoll ist, kann ja nun nicht schlecht sein, zumal hier wirklich der Svendborger einzukehren schien, um mit der ganzen Familie sein mittägliches Smørrebrød einzunehmen. So setzten wir uns an einen gerade freiwerdenden Tisch. Bis wir allerdings dann bedient wurden hat es tatsächlich eine ganze Weile gedauert. Das hat aber nicht so richtig viel ausgemacht, da wir froh waren, erstmal nur sitzen zu können. Die Sonne schien übrigens auch, was zu dieser Zeit gerade eine echte Seltenheit war. Es dauerte bestimmt zwanzig Minuten, bis die einzige Bedienung uns endlich bemerkte und uns dann freundlicherweise eine Karte auf Englisch vorbei brachte, die aus einer ausgedruckten, zerknitterten DIN-A-4-Seite Speisen ohne Preise bestand. Juchhee. Da freut sich der Touri und ahnt Böses. War dann aber gar nicht so schlimm. Wir mussten nur die normalen Preise bezahlen.

So, um aber nun endlich zum Positiven zu kommen: Das Smørrebrød mit Roastbeef war so richtig gut, ebenso die in Butter gebratenen Schollenfilets. Und das dunkle lokale Bier hat uns so früh am Tag auch gleich ausgenockt, so dass wir noch einmal nachlegen mussten, um wieder auf die Beine zu kommen und zwar mit dem absoluten Highlight, dem warmen Rhabarber-Crumble. Mann, war das lecker, dazu einen ordentlichen Café Latte. Herrlich.

Und sogleich waren wir ordentlich gestärkt für die Abschlussrunde auf dem Kunsthandwerkermarkt. Die 2750 Dkr für das kuschelig-psychedelische Kings Cape von emdal colorknit hab ich dann nicht ausgegeben (Hach, schade. Ich hätt’s zu gerne!), aber ich hab mir eine super Mütze zu einem normalen Preis gekauft, die ich dann den ganzen restlichen Urlaub getragen habe. Denn wichtig: immer schön warm zwischen den Ohren bleiben.

Torvecafeen. Torvet 10 B. 5700 Svendborg. Dänemark.

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Das beste Eis.

Persönliche Empfehlungen sind ja immer eine gute Quelle, wenn es darum geht, etwas Neues zu entdecken. Als wir also gerade auf Segeltörn im sydfynske øhav, auch besser bekannt als Dänische Südsee waren, empfahl uns unser Nachbar in Fåborg, wir sollten unbedingt nach Skarø fahren, dort gäbe es einen super Trödelladen und das beste Eis Dänemarks. Er würde jetzt auch mit seinen Kindern hinsegeln, das werde bei drei Kindern dann zwar etwas teuer, aber einmal im Jahr sei das drin, weil das Eis einfach zu lecker sei und sogar bei irgendeiner Nobelfluglinie serviert werde.

Obwohl ich in der dänischen Südsee schon seit ewigen Zeiten mit dem Boot unterwegs bin, war ich bisher noch nie auf Skarø. Das Problem an derart kleinen Inseln ist, das sie meist winzigkleine Häfen haben und wenn man in so einen Hafen erst nachmittags einläuft, kriegt man keinen Platz mehr. Da wir auf unserem Boot immer doch eher die Urlaubsvariante präferieren, nämlich ausschlafen, aufstehen, in Ruhe frühstücken, alles verstauen und dann los, kommen wir meistens nicht vor Mittag aus dem Hafen, womit wir uns dann Häfen aussuchen müssen, in denen man auch nachmittags oder abends noch einen guten Platz bekommt. 

Auch diesmal sind wir mit dem Boot erstmal an Skarø vorbei gesegelt, weil wir mal wieder zu spät waren und weil die Musik des alljährlichen Festivals gerade zu uns herüberwehte. Und wir dachten, dass wir sowieso keine Platz kriegen würden. So fuhren wir erst einmal nach Svendborg, wo wir aufgrund von meterologischen und anderen Unwägbarkeiten erst einmal ein paar Tage blieben. (Svendborg ist übrigens schön, um dort ein paar Tage zu bleiben. Gucken, Shoppen, guter Fischimbiss am Hafen, usw. usf.) Und zum Glück fährt von Svendborg aus eine Fähre nach Skarø und so machten wir einen Sonntagsausflug mit dem Ziel das beste Eis Dänemarks zu probieren.

Und was soll ich sagen: Es hat sich sowas von gelohnt. Alter, ist dieses Eis lecker. Ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass ich noch nie in meinem Leben so leckeres Eis gegessen habe. Und ich habe schon verdammt viel leckeres Eis gegessen. Ich weiß natürlich nicht, inwieweit die herrliche Umgebung, das schöne Wetter, das schnucklige kleine Inseldorf und die nette Anreise zur Steigerung des Genusses beigetragen haben, aber nichts desto trotz: Dieses Eis ist einfach der Hammer. Besonders Rhabarber-Sorbet (beste Sorte, da waren wir uns alle drei einig) in Kombination mit Birkensirup fand ich extrem gut, aber auch Stachelbeere, Singapore Sling Ice (Sie produzieren für Singapore-Airlines.), Schokolade und Ahornsirup waren lecker. Wobei man sagen muss, dass das Schokoladeneis schon ziemlich herb ist. Alle Eissorten, die wir probiert haben, sind nicht besonders süß, was mir aber sehr gut zupasskommt, weil mir normalerweise die meisten Eissorten zu süß und zu fettig/cremig sind, so dass ich maximal zwei Kugeln davon essen kann.

Den Trödelladen haben wir übrigens nicht angesehen, weil wir nur ca. 85 Minuten Zeit hatten, bis die nächste Fähre wieder zurück fuhr, aber den werde ich beim nächsten Törn suchen und dann werde ich auch mindestens drei Tage dort bleiben, jeden Tag Eis essen, um die Insel wandern und auf dem lustigen kleinen dreieckigen Fußballplatz ein paar Bälle ins Tor verbringen.

Is fra Skarø. Østerhovedvej 4. Skarø. 5700 Svendborg. Dänemark

 

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Keksduft und Nieselregen

Dyreborg (DK) ist ja ein ziemliches Nest. Irgendwie ein Vorort von Faaborg. Eigentlich gibt es dort nichts außer einem großen finsteren Wald, Weihnachtsbaumplantagen, einem winzigen pittoresken Hafen, einem kleinen Laden (in dessen angrenzender Garage übrigens jeder Anwohner seine Sammlung dänischer Kinderbuchklassiker von 1956 oder seine Gartenernte feilbieten kann), unfassbar schönen Häusern und einer Eisbude:
Dem Is-Båden.
Bei gutem Wetter sitzt oder steht man auf der Terrasse und guckt über den Hafen auf die benachbarte Insel Bjørnø, vor der die maritime Einflugschneise nach Faaborg verläuft. Bei schlechtem Wetter kann man sich dort auch reinsetzen und aus dem Fenster gucken (gleiche Aussicht, s.o.). Und wenn man etwas zu früh ist, muss man eben auf die frisch gebackenen Kekse zum Tee etwas warten. Das grenzt schon fast an Folter, denn der Geruch nach Backen mit Schokolade ist so lecker, dass man sich gar nicht so richtig auf den Beutelschneider konzentrieren kann. Geschirr wie von Omma (Teller). So wird an diesem nicht besonders angenehmen Regen- und Sturmtag sogleich das Behaglichkeitsdefizit ausgeglichen.

Auf die Schnelle 2

Brot, Brötchen und Kuchen in köstlicher Auswahl gibt es übrigens beim Bäcker mit integriertem Stehcafé am Christianshavntorv, Torvegade Ecke Overgaden oven Vandet in Kopenhagen. (Das Personal wird da, glaub ich, auch nach Aussehen angestellt. Alle mindestens so knackig wie die Brötchen.) Und wer eine günstige Übernachtungsmöglichkeit sucht. Gleich schräg gegenüber in der Torvegade 36 ist das Chicken’s. Betten sind zwar etwas durchgelegen und nach vorne raus ist es etwas laut, dafür kriegt man es bestimmt nirgends in Kopenhagen für den Preis so kuschelig.

Nachtrag: Das Chicken’s hat leider zwischenzeitlich dichtgemacht.