Monster Fruit Wheel aus Lauenau.

Normalerweise finde ich es immer ein bisschen creepy und abtörnend, wenn süße Gerichte wie deftige heißen. Beim klassischen Spaghettieis mach ich eine Ausnahme. Spaghettieis ist eben Spaghettieis. Und war’s auch schon immer. Spaghettieis Carbonara geht allerdings schon wieder gar nicht. Kann ich nicht bestellen. Keine Ahnung warum, denn die Zutaten sind ja alle durchweg lecker. Ebenso verhält es sich mit Pizzaeis. Will ich nicht. Versteh ich nicht. Wenn einer meiner Nachbarn allerdings Geburtstag hat, gibt es zur nachmittäglichen Kaffeerunde immer die Obstpizza von Frau Hupe aus Lauenau. Man könnte das Ding auch Riesen-Obst-Rad nennen. Oder für Freunde von Anglizismen: Monster Fruit Wheel. Aber der Kuchen heißt nunmal Obstpizza. Obwohl er keinen Hefeboden hat. Genaugenommen ist es ein normaler, allerdings sehr üppig belegter Obstkuchen auf Mürbeteigbasis. Obendrauf ein leckeres Gelee, das die sehr schön gestapelte Obstauswahl zusammenhält. Besonders an der Obstpizza ist ihre schiere Größe: Das Ding ist bestimmt einen halben Meter im Durchmesser. Das Riesen-Obstboden-Rad reicht dann noch zum Kaffee am nächsten und am übernächsten Tag. Und ist auch dann immer noch sehr lecker.

Café Crema. Rodenberger Straße 30. 31867 Lauenau.

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Der Sommer der Wespe.

Von Port Olpenitz aus ist es ein wunderbarer Fahrradausflug die Küste entlang bis kurz vor Damp und dann durchs Hinterland wieder zurück. Wobei, mit dem Fahren ist das so eine Sache, denn die Schönhagener Steilküste entlang muss man schon schieben. Der Pfad ist schmal, zum Teil etwas unwegsam und ordentlich zugewachsen. Die Rebhühner sollen’s ja auch nett haben. Dafür ist die Aussicht aber einfach zu schön, so dass es ein Frevel wäre, sie nicht mitzunehmen und gleich drumrum zu fahren. An ihrem südlichen Ende hat man außerdem einen so schönen Ausblick auf die Ostsee und den Schwansener See mit seinem Naturschutzgebiet drumherum, was man an so einem grauen Tag im Foto leider nicht so gut festhalten konnte. Nach Damp braucht man dann eigentlich erstmal nicht weiterzufahren, denn da ist am Hafen bloß Remmidemmi und lieblose Buden. Sehr schade. Lieber nach dem Abstieg der Steilküste gleich nach rechts wenden und wieder zurück nach Schönhagen fahren.

Denn dort gibt es das sehr nette Landcafé Hof Schwansen. Im Eingangsbereich hat der kleine Hund des Hauses seine kleine Hundehütte und wenn er nicht poft, guckt er, wer denn so kommt. Manchmal kommt er auch raus aus der Hütte und stromert durchs Café, was die heimelige Atmosphäre nochmal extra heimelig macht. Eigentlich waren wir gekommen, weil wir gelesen hatten, dass das Café auch einen schönen Kaffeegarten haben soll. Den konnten wir leider nicht auszprobieren, denn es waren gerade so viele Wespen unterwegs, dass die Betreiber sich gezwungen sahen, den Garten zu schließen. Da wir aber im Prinzip sowieso schon fast den ganzen Tag draußen waren, morgens unser Frühstück auch schon wegen der Wespen unter Deck eingenommen hatten, machte es jetzt auch nix, dass wir unsere Kaffeepause nun drinnen verbringen mussten. Der Qualität des Kuchens tat das jedenfalls keinen Abruch: Besonders der Apfelkuchen (links im Bild) stach durch eine extreme Leckerizität hervor. Die Whiskytorte (rechts im Bild) war auch gut, spielte aber nicht in der selben Liga wie der Apfelkuchen.

Hof Schwansen. Schloßstraße 8. 24398 Schönhagen.

Økologisk Café Øland. Svendborg.

Ich mag diesen Stil, sein Café mit gebrauchten, zusammengwürfelten Möbeln und altem, nicht zusammenpassendem Geschirr auszustatten. Und am liebsten mag ich es noch, wenn man es schafft, durch diese Zusammenstellung trotzdem dem Laden keinen rumpeligen Charme, sondern, im Gegenteil, einen modernen Touch zu geben. Hier im Øland in Svendborg, so einem Café-Bistro-Bioladen-Catering-Dings, ist das sehr gelungen. Außerdem ist der Kaffee derart lecker, dass man gleich mal ne Packung mit nach Hause nimmt. Und die Kokosmakrone war auch top. Die bittere Schokolade oben drauf harmonierte hervorragend mit dem süßen Kokosteilchen. Gerne hätten wir uns auch noch durch das Mittagsangebot probiert. Aber leider waren wir noch nicht hungrig genug. Nächstes Mal.

Øland Købmand og Café. Brogade 37. 5700 Svendborg. Danmark.

Noch ne Bäckerei: Thurø Bageri. Svendborg.

Wenn man mit dem Segelboot irgendwo ankommt, ist ja die erste Frage immer: Wo sind die sanitären Anlagen. Gleich danach kommt: Wo kriegt man frische Brötchen? Manchmal hat man ja keine andere Option, als selbst welche aufzubacken. Das ist okay. Aber oft auch nur so mittellecker. Zuweilen kann man auch beim Hafenmeister welche bestellen oder in den nächsten Kaufmannsladen gehen. Da weiß man dann nie so richtig, was man kriegt und es ist am nächsten Morgen immer eine Wundertüte.

In Svendborg gibt es nun allerdings nach etwa zehnminütigem Fußmarsch die besten Brötchen und das beste dänische Gebäck, das man sich nur vorstellen kann. Man kommt in den Laden und will ihn am liebsten gleich leerkaufen. Da ist dann das Frühstück gleich viel besser als an anderen Tagen und die Kaffeepause am Nachmittag auf See ist auch gerettet.

Thurø Bageri. Brogade 29. 5700 Svendborg. Danmark.

Enø Bageri. Karrebæksminde.

An Karrebæksminde bin ich bisher immer vorbei gesegelt. Es gibt so Häfen, da fährt man nie hin, weil sie, wenn man ein bestimmtes Ziel hat, nie auf dem Weg liegen und sich als Etappenhafen anbieten. Etwas ab vom Schuss halt. Karrebæksminde ist so einer. Dabei brüsten sie sich dort mit dem schönsten Strand auf Südseeland. Der Strand ist tatsächlich ganz schön. Sehr weiß und weich, täglich gesäubert und durchgekämmt. Was allerdings besonders ist: Sie haben eine Klappbrücke. Schon von See aus, denkt man, das Ding sieht aus wie eine Grille. Man kann es allerdings nicht so recht glauben. Warum sollte eine Brücke aussehen wie eine Grille? So’n Quatsch. Wenn man dann allerdings an Land ist und auf die Brücke zuläuft, von Enø kommend nach Seeland, dann sieht man, dass das Ding tatsächlich eine Grille ist. Verrückt. Bzw. ein Grashüpfer. Und sie heißt auch noch Græshoppebroen. Niedlich. Von der Grashüpfer-Brücke (Die sonderbarerweise auch noch einen integrierten Bücherschrank hat.) hat man jedenfalls einen schönen Blick auf Enø Bageri. Die wirklich perfekte örtliche Bäckerei. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt. Die Torten in den Auslagen sehen aus, als würde man sie allesamt am liebsten sofort einpacken.

 

Und erst die Brötchen: bombig. Deretwegen sind wir gleich noch einen Tag länger geblieben. Zugegeben, auch wegen des schönen Strandes. Und des sehr leckeren Eises. Zum Eisessen setzt man sich direkt vor der Bäckerei auf die schöne Holz-Terrasse-Treppe-was-auch-immer am sehr kleinen Stichkanal, durch den alle Schiffe müssen, die in den Karrebækfjord und nach Næstved wollen oder auch wieder raus auf die Ostsee. Und wenn man Glück hat, so wie wir, kommt gerade ein ziemlich großer Frachter vorbei und fährt einem fast über die Füße, bevor er sich durch die lütte Grashüpperbrücke zwängt. Wir saßen da mit offenen Mündern. Das Eis tropfte fast aus den Waffeln, ob dieses maritimen Spektakels. Muss man mal gesehen haben.

Enø Bageri. Konditori & Café. Ved broen 6, 4736 Karrebæksminde. Denmark.

Café Sand am Meer. Maasholm.

In Maasholm ist ja mittlerweile wirklich nicht mehr viel zu wollen, wenn man an einem nicht so schönen, regnerischen Tag bummeln will. Beim Mal-sehen-was-denn-so-geht ist ziemlich schnell Ende im Gelände. Es gibt noch eine Kunsthandwerkstatt, eine Galerie, einen Souvenir-Shop, einen Supermarkt (immerhin) und eine Bäckerei. Die hat man in ca. fünfzehn Minuten abgegrast. Und was dann? Um den grauen Tag irgendwie rumzukriegen haben wir uns für zehn Euro ein Sup geliehen und sind über das graue Wormshöfter Noor gepaddelt. Das war wunderbar. Danach gab’s ein Fischbrötchen und eine Nönnisause, denn Wassersport macht hungrig und müde. Ein, zwei Schauer mussten wir auch noch aussitzen, bis wir dann zum Highlight des Tages ausrücken konnten: dem Kuchen im Café Sand am Meer. Kannten wir ja schon von vor vier Jahren, aber es ist doch immer schön, wenn man weiß, wo es was Gutes gibt und da in freudiger Erwartung hinwackeln kann. Als wir endlich im Café saßen, kam auch noch die Sonne raus. Na sowas. Für den hübschen Kaffeegarten war’s zwar zu nass, aber drinnen ist’s ja auch gemütlich. Ich konnte mal wieder meinem Rhabarber-Fetisch frönen – sehr leckerer Rhabarber-Baiser-Kuchen. Und auch die Nougat-Torte war echt gut. Wenn auch für eine Person etwas üppig. Da musst ich noch helfen. Was ich natürlich gerne getan hab. Pott Kaffee, Kännchen Tee und Zeitung dazu. Herrlich.

Café Sand am Meer. Hauptstraße 13. 24404 Maasholm.

Was übrigens in Maasholm noch ganz schön ist, wenn das Wetter mitspielt: frittierten Fisch mit Knoblauchsauce beim Fischimbiss am Hafen und anschließend vor die Eisdiele setzen, in die tiefstehende Sonne blinzeln, Eis und Espresso dazu und den Fischern beim Netzeflicken zugucken. Echt kontemplativ.

Die Heimat der Kaffeetanten.

Das V17 ist seit seiner Eröffnung im vorletzten Herbst zur Kaffeetanten-Heimat geworden. Durchschnittlich einmal pro Woche sitzen wir in unserem Lieblingscafé in der Deisterstraße. Linden-Süd ist, was Cafés angeht, ja irgendwie die Sahelzone Lindens. Historisch bedingt wurde dort in Fabriken hart gearbeitet und nicht schöngeistig im Café rumgesessen. Passt jetzt nicht in das Bild mit der Sahelzone, aber egal. Wir freuen uns deshalb umso mehr, dass wir jetzt was viel Tolleres haben als alle anderen in Hannover und nicht mehr nach Linden-Mitte oder Nord rübermachen müssen, wenn wir mal nicht Galao und Pastéis de Nata von Luis wollen. Mal davon abgesehen, dass wir bisher in so einem Fall den Kaffee meistens zu Hause getrunken haben. Für so’n spontanes Kaffee-Date ist es nach Mitte oder Nord dann doch einfach auch zu weit. Echt jetzt.

Tobi, der Erfinder vom V17, hat regelmäßig wechselnde Kaffeesorten, allesamt besonders und fair, und erzählt gerne über Herkunft und Bezugsquelle seiner Kaffeebohnen. Wen das alles nicht interessiert, weil er beim Thema Third Wave eher an Monsterwellen oder an Zombies denkt, der kriegt einfach nur richtig leckeren Kaffee. Dazu gibt’s wechselnden Kuchen oder, wer lieber was Deftiges mag, bestellt z.B. ein Brot mit Avocado oder mit geschmolzenem Ziegenkäse. Wer nun meint, dass so ein Avocadobrot doch nicht die Delikatesse vor dem Herrn sein kann, hat eindeutig noch nie Tobis Avocadobrot gegessen. Die Avocado ist auf den Punkt gereift. Oben drauf gibt’s zerstoßenen roten Pfeffer, der einfach hervorragend zur Avocado passt. Und dazu noch ein köstliches Chutney-Relish-Zeugs, was man entweder auch oben drauf packt oder einfach so auslöffelt. Meine Lieblingskuchensorten sind bisher: das hammermäßige Bananenbrot mit den sehr dicken Schokoladenstückchen und der schön schlotzige vegane Schokokuchen. Den gabs aber irgendwie schon länger nicht mehr. Vielleicht hat ja die Bäckerin gewechselt.

Wir waren jedenfalls neulich froh, dass Tobi seinen Laden sogar schon etwas umgestaltet und im Rahmen des Möglichen die Plätze anders verteilt hat. Irgendwie hatten wir Angst gehabt, dass er, wie so viele auf der Deisterstraße, nicht genug Zeit und Geduld mitgebracht hatte, um seinen Laden zu etablieren, und er ganz schnell wieder zumachen würde und an eine andere, vielleicht hippere Stelle, mit mehr Laufkunschaft abwandern würde. Hat er nicht. Alles gut.

V17. Deisterstraße 49. 30449 Hannover.